Eight on Air – der Eight Advisory Podcast

Der deutsche Markt in vielerlei Hinsicht einzigartig, doch es wird viel zu wenig über Transaktionen gesprochen und über die Herausforderungen, denen sich Investoren, Unternehmen und Unternehmer stellen müssen – gerade was die Zukunft nach der Pandemie anbelangt.

Als stark expandierende unabhängige Unternehmensberatung fühlen wir den Puls der Wirtschaft.

Hunderte von Transaktions-, M&A-Steuern- und Transformationsprojekte – Seite an Seite mit unseren Mandanten – erlaubten uns tiefe Einblicke.
In unseren Podcast-Folgen betrachten wir verschiedene aktuelle Wirtschaftsthemen, um sie mit unseren Erfahrungen aus dem Beratungsalltag anzureichern. Wir gewähren Einblicke in Transformationen, auf erfolgreiche Geschäftsmodelle und Fallstricke bei M&A-Transaktionen.

Wir suchen Antworten auf Fragen wie:

  • Wo spielt der Mittelstand seine Asse aus?
  • Welches sind die dominantesten Probleme in der Lieferkette, bei der Produktion oder in der Administration diverser Betriebe quer durch die Branchen?
  • Wie wirkt sich die (sichere) IT-Infrastruktur auf eine Unternehmensbewertung aus?
  • und viele mehr.

Als noch junger Player im deutschen Markt mit einer starken und global etablierten Marke im Hintergrund spielen auch immer wieder Themen rund um uns selbst eine Rolle, um zu zeigen was den besonderen Spirit von Eight Advisory ausmacht.

Michael Wahl, Managing Partner und Gründer von Eight Advisory Germany, spricht in der ersten Episode mit der ZDF-Börsenexpertin und Journalistin Valerie Haller über Eight Advisory und die aktuelle wirtschaftliche Situation in den bedeutendsten Segmenten!

Transkript zur ersten Episode

Valerie Haller: Herzlich willkommen zur ersten Podcast-Folge von Eight Advisory Germany. Mein Name ist Valerie Haller. Normalerweise berichte ich von der Börse fürs ZDF heute journal. Und heute habe ich aber das Vergnügen, die erste Episode des Podcasts von Eight Advisory Germany zu moderieren. Michael Wahl ist heute bei mir in den FEINTON Studios in Frankfurt. Michael ist Managing Partner und Gründer von Eight Advisory Germany, der deutschen Tochter der am schnellsten wachsenden unabhängigen Unternehmensberatung in Europa. Hallo Michael! 
 
Michael Wahl: Hallo Valerie! Ich bin gespannt auf Ihre Fragen zu Eight Advisory und Transaktionsberatung und Transformation in Deutschland. Ich bin gespannt, wohin uns das Gespräch führt. 
 
Valerie Haller: Vielen Dank, Michael! Ich freue mich auch hier zu sein. Heute kehre ich ja sozusagen zu meinen journalistischen Wurzeln zurück. Ich bin ausgebildete Journalistin, habe unter anderem mehrere Jahre in den USA studiert und gearbeitet, auch da schon unter anderem für das ZDF. Und angefangen habe ich aber als Volontärin beim Radio in München. Und dank Eight Advisory bin ich jetzt also zurück beim Radio-Journalismus, nur eben in seiner modernen Form als Podcast. Und das Schöne am Podcast ist ja, dass man jederzeit auf ihn zugreifen kann, wenn es am besten passt, wo auch immer, wann auch immer. Schön, liebe Zuhörer, dass Sie heute bei uns sind. Wir erfahren, wer Eight Advisory überhaupt ist heute, wie es zur Idee kam, in Deutschland nach französischem Vorbild eine Unternehmensberatung zu gründen und ob die auch erfolgreich ist. Erfahren Sie in diesem Podcast, welche Leistungen eine Transaktions- und Transformationsberatung vielleicht auch für Ihr Unternehmen oder Ihr Portfolio erbringen kann und hören Sie aktuelle Einschätzungen zum deutschen und europäischen Private Equity Markt direkt vom Profi sozusagen. Michael, von meinem Lebenslauf habe ich ja schon erzählt, jetzt sind Sie dran. Wie sind Sie eigentlich zu Eight Advisory gekommen? 
 
Michael Wahl: Vielen Dank, Valerie! Ich würde sagen, ich habe einen klassischen Lebenslauf für Eight Advisory, den ich sozusagen mit Aufenthalten in den USA, in Osteuropa, Budapest und in Wien, Österreich aufgepeppt habe. Studiert habe ich Wirtschaftsingenieurwesen und bin dann zu Ernst & Young gegangen hier in Frankfurt, habe begonnen bei der Wirtschaftsprüfung, bin dann relativ schnell zur Transaktionsberatung gewechselt. Im Jahr 2004 bin ich für zwei Jahre nach San Francisco zu EY gewechselt und habe im Rahmen dessen auch den sogenannten CPA abgelegt, eine Art amerikanischer Wirtschaftsprüfer. 2007 bin ich dann ins Budapester Büro von EY gewechselt, wurde dort Partner und leitete dort den Bereich Transaction Advisory Services. Von Ungarn bin ich dann nach Wien gewechselt, bevor ich dann 2011 zurück nach Frankfurt gekommen bin. Im Jahr 2018, und da fängt die Geschichte von Eight Advisory in Deutschland an, wurde ich dann von Eight Advisory angesprochen, ob ich nicht beim Aufbau der deutschen Praxis unterstützen möchte und ob ich das nicht übernehmen möchte. Das hat mich sofort gereizt und interessiert, weil die Werte und die Philosophie hinter dem Beratungskonzept, wir nennen das „Between the Worlds“ oder „Zwischen den Welten“, lagen mir sehr am Herzen. Während ich auf der einen Seite für eine starke Marke arbeiten konnte, konnte ich auf der anderen Seite eben auch als Unternehmer tätig sein. Und es war insgesamt, wie sich dann auch im Laufe der letzten zwei, drei Jahre bewahrheitet hat, eine großartige Gelegenheit, mit internationalen Experten zusammenzuarbeiten, die weitestgehend von anderen Big Four kamen oder von anderen renommierten Beratungsgesellschaften und die bei der Arbeit mit dem Kunden die gleichen Dinge schätzen wie ich. 
 
Valerie Haller: Danke, Michael! Das ist sehr interessant. Sie sind ja viel rumgekommen. Wollen wir doch gleich mal zum Kernthema dieser Folge kommen. Und dahin kann uns ja eigentlich nur eine Frage bringen: Was bedeutet das Beratungskonzept von Eight Advisory „Between the Worlds“ genau? 
 
Michael Wahl: Ist glaube ich eine spannende Frage und ist auch eine Frage, die unsere Kunden uns häufig stellen. Ich glaube, man kann es am besten so umschreiben, dass wir ein unabhängiger Player im Markt sind. Wir sind frei von Interessenskonflikten. Was das heißt, ist, beispielsweise wir bieten keine Wirtschaftsprüfung oder klassische Steuerberatung an, wir konzentrieren uns voll und ganz auf unsere Kunden und wir bieten einen pragmatischen und unternehmerischen Ansatz an. Und dieser Wertekanon macht wirklich einen Unterschied am Beratermarkt in jedem Land, in dem wir tätig sind. Und obwohl Eight Advisory etwas mehr als 11 Jahre auf dem Markt ist, sind wir die am schnellsten wachsende europäische Beratungsmarke. Und vielleicht noch ein Punkt: Absoluter Wettbewerbsvorteil ist aus unserer Sicht auch, dass wir eine globale Organisation sind, ein Zusammenschluss von internationalen Experten, die auf der ganzen Welt ansässig sind und ständig miteinander arbeiten, im Prinzip grenzübergreifend. Und wir sind nicht wie bei einigen unserer Konkurrenten eine Zusammenreihung von separaten Einheiten, die zufällig unter einer Marke agieren. Es ist aus unserer Sicht und aus meiner persönlichen Sicht auch ein großartiges Modell, aber nicht nur für erfahrene Experten, wozu ich mich mittlerweile zählen würde, sondern auch für junge Hochschulabsolventen, für jüngere Kollegen, sich unternehmerisch entwickeln zu können und trotzdem sich in einer sicheren Umgebung zu befinden. Um es noch mal kurz zusammenzufassen: Wir kombinieren das Beste, was Kunden von großen Beratungsunternehmen und aber auch von kleinen spezialisierten Boutiquen bekommen können. Gleichzeitig lehnen wir deren Einschränkungen und Unzulänglichkeiten allerdings ab. 
 
Valerie Haller: Michael, Sie selbst sind seit fast 25 Jahren im Geschäft. Und ohne nur über das Negative sprechen zu wollen, aber das waren ja schon ziemlich turbulente Zeiten, ich habe sie ja selber auch an der Börse live miterlebt. Das Platzen der Dotcom Blase im Jahr 2000, die Weltfinanzkrise 2008 und jetzt die Pandemie, die wohl größte Wirtschaftskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Welche Auswirkungen hatten diese Einschnitte auf die privaten Vermögensverwalter? 
 
Michael Wahl: Ich glaube, die erste Krise, die Dotcom Krise, war vor allem eine Krise, die Kleinanleger betroffen hat, die den Rendite-Versprechungen geglaubt haben und dann extrem viel Geld auch an den Börsen verloren haben, und auch zum schlechten Ruf der Aktienanlagen für eine ganze Zeit gesorgt haben. Letztendlich gibt’s aber auch, wie bei jeder Krise, positive Aspekte. Ich glaube, ein positiver Aspekt, von dem wir jetzt auch noch profitieren oder den wir sehen, ist, dass sich damals das Venture Capital oder das Private Equity etabliert hat und auch ein bisschen emanzipiert hat und dass es als sichere Geldanlage gesehen wurde. Auch das Thema Übernahmen, Akquisitionen, das in den angelsächsischen Märkten schon weit verbreitet war, hat es dann über den Teich geschafft und auch in Europa einen Einzug gehalten. Also insofern waren nicht alle Auswirkungen negativ, sondern es gab tatsächlich auch ein paar positive Entwicklungen, von denen wir heute noch profitieren. Seitdem muss man natürlich sagen, dass sich das Geschäft, insbesondere unsere Tätigkeit, und die Transaktionsgeschwindigkeit extrem erhöht hat. Die Weltfinanzkrise, auch da, so seltsam es klingt, hatte auch gute Seiten. Ich glaube, was es gezeigt hat am Ende des Tages, ist, dass insbesondere auch die Finanzinvestoren, die Private Equity Unternehmen, dass die sich im Vergleich auch zu anderen Investoren beziehungsweise zu anderen Unternehmen extrem um ihre Portfolio-Gesellschaften gekümmert haben. Das ist übrigens auch ein Aspekt, den wir jetzt in der aktuellen Situation sehen, dass der Fokus darauf gelegt wird, die Substanz des Unternehmens so schnell wie möglich zu schützen. Die Schwierigkeit in der aktuellen Situation ist sicherlich, dass wir uns noch mittendrin befinden. Ein Rückblick ist aktuell leider noch nicht möglich, hoffentlich in naher Zukunft, aber das Wichtigste oder eines der wichtigsten Themen, die uns sicherlich bleiben wird, ist die Digitalisierung. Wir sehen insgesamt einen wahnsinnigen Schub bei der Digitalisierung und bei Digitalisierungsbewegungen. Was wir auch sehen zusätzlich, ist, dass der Fokus ein bisschen mehr auf die Lieferketten gelegt wird. Wir haben alle gehört, dass Lieferketten unterbrochen wurden. Da gibt es auch, glaube ich, neue Konzepte, einen neuen Fokus, um diese sicherzustellen. Also insgesamt denke ich, die Pandemie zeigt in Deutschland deutlich, wo wir uns verbessern müssen, die tatsächlichen Auswirkungen werden wir erst in den nächsten Jahren sehen. 
 
Valerie Haller: Stimmt! Wenn man dann zurückschaut. Aber was bedeutet, Michael, denn eigentlich die Pandemie ganz, ganz konkret für den Transaktionsmarkt? Was merken Sie da bei Ihren Kunden? 
 
Michael Wahl: Es gibt ein paar tatsächlich ganz konkrete Themen, die wir regelmäßig sehen. Es gibt, und das hat sehr, sehr schnell eingesetzt im März, April letzten Jahres, dass unsere Kunden und die Private Equity Investoren sich ganz schnell auf bestimmte Sektoren fokussiert haben. Sektoren, die entweder tatsächlich von der Pandemie noch profitiert haben, beziehungsweise die kaum eine Auswirkung der Pandemie gespürt haben. Beispielsweise Unternehmen im Technologiebereich oder Technologieberatung, Gesundheitswesen, und ganz klar auch alles, was mit E-Commerce zu tun hat, waren Bereiche, die tatsächlich profitiert haben. Was wir auch gesehen haben, dass die Internationalisierung unserer Kunden oder die geografische Diversifizierung eingesetzt hat. Private Equity ist sehr stark verbreitet im europäischen Raum, beispielsweise in UK und in Frankreich, noch mehr als in Deutschland. Was wir gesehen haben, dass Investoren, die vor der Krise vor allem auf ihren Heimmärkten investiert haben, dass die eben auf den Kontinent kommen und dort nach Investitionsobjekten suchen. Also das war ein Thema, das wir gesehen haben. Dann, ich hatte es schon mal kurz angesprochen, was auch eine Top-Priorität war und zum Teil bisher noch ist, ist der Schutz beziehungsweise die intensive Betreuung der Portfolio-Unternehmen, soweit es notwendig ist. Was wir auch gesehen haben und was zum Teil ein bisschen überraschend kam, jeder hat eigentlich gedacht, dass die Unternehmensbewertungen nach unten gehen, also die Transaktionswerte etwas nachgeben. Aber tatsächlich das Gegenteil ist der Fall, weil weniger Unternehmen zum Verkauf angeboten werden. Wenn es attraktive, gute Unternehmen sind, wird die Bewertung dieser Unternehmen noch höher, als es vor der Pandemie war. Und was wir auch gesehen haben, ist, dass die Konkurrenz, sage ich mal, der Private Equity Investoren um gute Unternehmen noch größer geworden ist. Es muss alles noch schneller gehen, höhere Preise. Das waren Themen, die die uns beschäftigt haben. 
 
Valerie Haller: Wohin das Geld fließt, wird ja nicht nur von den Anlagemöglichkeiten bestimmt, sondern natürlich auch von dem politischen Umfeld. Welche Auswirkungen hat Ihrer Ansicht nach beispielsweise der Brexit für Vermögensverwalter? 
 
Michael Wahl: Ich glaube, was man auch direkt nach dem Brexit und auch im Vorfeld gesehen hat, ist, dass die Bürokratie zugenommen hat für die deutschen Exporte. Dass man einfach gesehen hat, dass die Neuauslegungen, die Anpassungen der Regelungen und Vorschriften noch Zeit braucht, und auch die Umsetzung entsprechend. Eines der besten Beispiele und plakativen Beispiele ist, dass die Automotive-Ausfuhren von UK in die EU um 30 % etwa zurückgegangen sind. Im Banken- und dem Finanzdienstleistungssektor sehen wir natürlich auch Bewegungen. Wir sehen, dass Kapazitäten zum Teil verschoben werden in die europäischen Finanzhauptstädte, worunter eben auch Frankfurt gehört. Auf der anderen Seite muss ich ganz ehrlich sagen, für die Private Equity Investoren ganz konkret und für deren Investitionen auf dem deutschen Markt hat es tatsächlich bisher kaum merkbare Auswirkungen gehabt. Weil viele der international tätigen Finanzinvestoren hatten vorher auch schon Büros und Niederlassungen auf Kontinentaleuropa, insofern sind da die Auswirkungen, wie gesagt, relativ gering. Und die Kollegen in UK, vielleicht darf ich das noch hinzufügen, die bestätigen das auch: Auf der Insel selbst sind die Auswirkungen des Brexits bisher im Sinne von Anzahl von Transaktionen noch nicht spürbar. Ich glaub auch, und da ist der Brexit auch nicht viel anders wie andere Veränderungen und Krisen, es gibt negative Auswirkungen, sicherlich, aber es wird auf der anderen Seite auch positive Auswirkungen geben. Was ich vermuten würde, ist, dass Unternehmen, die Kontinentaleuropa beispielsweise in der Vergangenheit vorwiegend von der Insel aus beliefert haben, dass die eventuell jetzt sich auch in Kontinentaleuropa niederlassen werden und hier auch Target-Unternehmen suchen. 
 
Valerie Haller: Die Klimakrise ist ja jetzt in Pandemie-Zeiten in der öffentlichen Wahrnehmung ein bisschen in den Hintergrund gerückt, ist aber natürlich ein Thema, das sicher langfristig auf der Agenda bleiben wird. Wie wirkt sich die Klimakrise auf Ihre Kunden und auf den Markt aus? 
 
Michael Wahl: Die Klimakrise, die wird uns wahrscheinlich noch vor größeren oder mit Sicherheit vor größeren Herausforderungen stellen als jetzt die Pandemie an sich. Ich denke auch, dass die Klimaschutzziele, die vereinbart wurden, nur zum Teil dadurch erreichbar sein werden, wenn der Staat steuernd eingreifen wird. Ich sage deswegen zum Teil, weil ich schon auch daran glaube, dass insbesondere institutionelle Anleger dort eine wichtige Rolle spielen werden. Die Unternehmen, konkret für die Unternehmen, für die wird es so sein, dass sie sich an den Klimazielen ausrichten müssen. Das kann zum Teil sehr viel Geld kosten. Die Großunternehmen, Konzerne werden mit dem Thema besser umgehen können als kleinere und mittlere Unternehmen. Ich glaube, bei den Konzernen ist das schon lange auf der Agenda. Für die kleineren, mittleren Unternehmen kann und wird das viel Geld kosten, das eventuell anschließend für Investitionen in das Kerngeschäft fehlt. Allerdings bin ich da auch vorsichtig optimistisch, weil ich glaube, dass die Investitionen in die Klimaziele an sich auch schon wieder eine Opportunität oder eine Möglichkeit darstellen, sich weiter zu entwickeln, die Produkte weiter zu entwickeln, in neue Bereiche zu investieren. Ich hatte vorhin angedeutet, dass institutionelle Anleger auch hier Einfluss nehmen werden, und wollte nur darauf hinweisen, dass bei einigen der größten Staatsfonds und Anlagen-Unternehmen wie zum Beispiel BlackRock, Temasek, was ein Staatsfonds in Singapur ist, oder der norwegische Staatsfonds, dass die sich die Klimaziele beziehungsweise die Investition in klimaneutrale Unternehmen ganz oben auf die Stange geschrieben haben. Ich glaube auch, und das geht manchmal ein bisschen unter, bei Private Equity Investoren ist das Thema schon relativ lange auf der Agenda. Und zwar wird eigentlich bei jeder Transaktion eine sogenannte ESG Due Diligence durchgeführt. ESG steht, also E Environment wie Umwelt, S Social Soziales, und G wie Governance, verantwortungsvolle Unternehmensführung. Wir sehen in letzter Zeit, dass dieser Bereich stärker im Fokus steht, und ich denke, dass das auch noch intensiviert wird. Was wir auch, und dann ganz konkret, sehen, ist, dass Finanzinvestoren auch stärker sich Bereiche und Unternehmen anschauen, die direkt oder indirekt Produkte herstellen und verkaufen, die mit der Reduzierung von CO2-Emissionen im Zusammenhang stehen. Als Beispiel wären da vielleicht zu nennen Geräte für die Herstellung von Wasserstoff beispielsweise. Das sind Themen, die auf der Agenda schon immer weiter nach oben rutschen. 
 
Valerie Haller: Und auch eingefordert werden. 
 
Michael Wahl: Absolut! 
 
Valerie Haller: Und wie geht’s mit den deutschen Unternehmen inmitten der Krise weiter? Sie hatten es vorhin schon mal kurz angesprochen, ich hätte es aber gerne noch mal konkreter. Denken Sie, obwohl ich erwarte schon wieder eine Prise Optimismus, stehen wir vor allem vor immensen Problemen oder sehen Sie auch Chancen in der Krise? 
 
Michael Wahl: Also ich glaube, wenn wir diese Unterhaltung vor einem halben Jahr geführt hätten, dann hätte ich Ihnen sagen können, dass wir mehr denn je damit beschäftigt sind, unsere Kunden damit zu unterstützen, einzuschätzen, was die Zukunft für sie bereithalten kann und wie sie sich vor dem Absturz schützen können oder sollten. Neben den menschlichen und wirtschaftlichen Tragödien, die wir sehen und die wir erleben müssen, haben sich trotzdem sehr viele Möglichkeiten zur Geschäftsentwicklung tatsächlich auch aufgetan für deutsche Unternehmen, und eben auch für Investoren. Und entweder durch M&A, also durch Zukäufe oder durch Transformation. Und wir werden das Thema noch öfters ansprechen, die Digitalisierung, die hat natürlich enormen Schub bekommen und ein bisschen zum Teil auch die Unternehmen auf die richtige Bahn geschubst. 
 
Valerie Haller: Mehr Digitalisierung, sind wir uns ja einig, wäre tatsächlich ein wünschenswerter Fortschritt. Viele neue Möglichkeiten durch COVID, sagen Sie, das würde man ja auf den ersten Blick nicht unbedingt vermuten. Haben Sie da ganz konkrete Beispiele, entweder bei Ihren eigenen Kunden oder in den Märkten allgemein? 
 
Michael Wahl: Die Pandemie hat klargemacht, dass digitalisierte Unternehmen und Angebote, Unternehmen mit Angeboten, digitalisierten Angeboten, widerstandsfähiger, sozusagen resilienter sind. Was wir auch sehen, ist, dass Unternehmen einfach aufgeschlossener sind gegenüber neuen Technologien. Und das hat sicherlich die Pandemie beschleunigt. Insbesondere im Endkundengeschäft, ich hatte zu Beginn E-Commerce schon mal angesprochen, im Endkundengeschäft machen Unternehmen die Erfahrung, dass die Kunden in allen Kanälen abholen und bedienen müssen, also nicht nur stationärer Handel, sondern eben auch auf E-Commerce-Plattformen. 
 
Valerie Haller: Also Sie sagen, dass es der M&A Branche in Deutschland trotz COVID gutgeht. Ganz anders sieht es ja im überwiegenden Rest Europas aus. Nach neuesten Marktdaten hat Europa im Allgemeinen ja eher einen Stillstand bei der Durchführung von Deals erlebt, insbesondere im vergangenen Jahr. Was läuft besser in Deutschland? 
 
Michael Wahl: Vollkommen d’accord, im europäischen Vergleich hat sich in Deutschland überraschenderweise der M&A Markt relativ stabil entwickelt. Ich glaube, wenn man ins Detail geht, kann man in 2020 sehen, dass es da schon auch eine Delle gab im zweiten Quartal. Ich glaube, beim ersten Lockdown, da gab‘s sowas, ich würde es mal bezeichnen, wie eine Schockstarre, dass Unternehmen, Investoren sich erst mal auf die Situation einstellen mussten. Das war, ganz praktisch mussten sich die Unternehmen Hygienekonzepte et cetera überlegen und einführen. Die Investoren haben wie eine erste Reaktion den Schutz ihrer Portfolio-Unternehmen an oberste Stelle gesetzt. Relativ schnell danach, und das ging dann im dritten Quartal schon los, hat sich aber herausgestellt, welche Geschäftskonzepte und welche Unternehmen erfolgreich sind und erfolgreich bleiben. Und aus dem heraus hat es auch weiterhin Transaktionen auf dem deutschen Markt gegeben. Ich glaube, man kann auch differenzieren, also kleine und mittlere Transaktionen, die waren dann durchaus wieder im Kommen und haben zugenommen, die ganz großen Mega-Transaktionen, da gab‘s relativ wenige letztes Jahr. Den Bruch kann man sehen. Und die großen Transaktionen, die werden sicherlich auch in 2021 wieder zurückkommen.  
 
Valerie Haller: Die rasende Geschwindigkeit der Erholung, die war ja faszinierend in Deutschland, nach dieser Delle. 
 
Michael Wahl: Ja. 
 
Valerie Haller: Was denken Sie, wird es mehr Exits geben, wird die Zahl der Deals steigen? 
 
Michael Wahl: Da ist die Antwort relativ kurz: Ja. Also sowohl die Exits als auch die Zahl der Deals, der Transaktionen wird steigen. Wir sehen das schon in den ersten Monaten, dass weitaus mehr Aktivität auf dem Markt ist. 
 
Valerie Haller: Im Hinblick auf die Pandemie stellt sich die Frage, wie sich dies auf Eigentümer und Unternehmer auswirkt. Wie ist da Ihre Erfahrung? Neigen Unternehmer dazu, jetzt mehr zu verkaufen, weil sie die unwägbaren Risiken fürchten, oder hat ein solches Ereignis überhaupt gar keinen großen Einfluss auf die Verkaufslust? 
 
Michael Wahl: Ich denke schon, dass die Pandemie einen Einfluss hatte, und wir sehen unterschiedliche Motive bei den Transaktionen, auf denen wir arbeiten. Überraschenderweise vielleicht ist es so, dass die Transaktionen mit notleidenden Unternehmen nicht die Hauptrolle spielen, sondern wir sehen eher andere Motive. Also zum einen sehen wir, dass Unternehmen, die, sage ich mal, von der Pandemie profitiert haben und deswegen schneller und auch signifikanter gewachsen sind, also sage ich mal mit eigenen Kapazitäten stemmen können. Das heißt, das Wachstum, die Unternehmer sehen, dass sie externe Hilfe brauchen, externe Investoren, um das Wachstum zu bewältigen, um international zu wachsen und internationale Kontakte spielen zu lassen. Wir sehen außerdem, dass die Bewertungen von Unternehmen, die verkauft werden, die auf den Markt kommen, die profitiert haben, dass die gestiegen sind. Was natürlich attraktiv ist für Unternehmer, die verkaufswillig sind. Also insofern, das sehen wir noch als Motiv. Was wir auch sehen, das ist so ein bisschen die dritte Gruppe, dass wir Unternehmen haben, die an sich attraktive Produkte haben, attraktive Dienstleistungen, ein gutes Geschäftsmodell, die aber Unterstützung benötigen, und da bin ich wieder bei der Digitalisierung, um das Geschäftsmodell digital auszurollen. Und da sehen wir auch Beispiele, dass man sich dann einen externen Investor dazu holt, der seine Expertise dann hier ausspielen kann. Dann haben wir aber nach wie vor, gerade beim deutschen Mittelstand, Nachfolgethemen, das ist nach wie vor ein Treiber für Transaktionen. Und was wir natürlich auch sehen, und das aber relativ schnell dann während der Pandemie gesehen, dass große Konzerne einen sogenannten Portfolio-Review durchführen. Sie schauen an, was sind meine Kernbereiche, Kernprodukte, Kerndienstleistungen, und welche Bereiche sind eben nicht mein Kerngeschäft. Und diese Bereiche werden jetzt zum Verkauf vorbereitet und angeboten. Und ich glaube, man konnte es auch in der Presse nachverfolgen, es gibt Beispiele bei Siemens, es gibt Beispiele bei der Lufthansa, und es gibt auch Beispiele bei Bayer. 
 
Valerie Haller: So! Viel Pandemie. Wird eigentlich das allermeiste von der Pandemie bestimmt oder welche anderen Trends haben Sie bei Ihren Deals in den letzten Monaten noch festgestellt? 
 
Michael Wahl: Es wird tatsächlich einiges direkt oder indirekt von der Pandemie bestimmt. Die grundsätzliche Situation hat sich trotzdem nicht geändert. Es gibt insbesondere in der Private Equity Industrie ein sogenanntes oder relativ viel sogenanntes Dry Powder, also viel Geld, das investiert werden muss. Das hat sich natürlich nicht geändert. Die Sektorenausrichtung hat sich angepasst, aber ist auch pandemiegetrieben. Was wir auch gesehen haben, dass die Prozesse an sich, die Verkaufsprozesse, dass die relativ schnell angepasst wurden. Also unsere Verkaufsprozesse sind oder waren schon vor der Pandemie sehr digital, würde ich sagen. Alles wird über virtuelle Datenräume und sonstige Tools abgewickelt. Aber was wir jetzt gesehen haben, dass auch Management-Meetings virtuell durchgeführt werden über Videokonferenzen. Zu Beginn der Pandemie, während des ersten Lockdowns oder kurz danach, gab‘s sogar virtuelle Unternehmens-Rundgänge. Solche Dinge. Da gibt’s Trends, die sich sicherlich auch so fortführen werden. 
 
Valerie Haller: Lassen Sie uns auch zum Schluss noch mal einen Blick auf einzelne Branchen werfen. Die COVID-19 Pandemie hat viele Sektoren, wie wir wissen, in Schutt und Asche gelegt und wurde aber auch zum Sprungbrett für den Erfolg anderer. Wer ist im Fall von Deutschland das wirtschaftliche Opfer der Krise und wer hat seine Rekordhöhen erreicht? Welche Sektoren sind bei Transaktionen am aktivsten oder eben am wenigsten aktiv? Und wie sind die aktuellen Bewertungen in den verschiedenen Sektoren? Lange Frage. 
 
Michael Wahl: Ja. Ich glaube, die Verlierer der Pandemie ganz klar, das sehen wir auch im täglichen Leben, ist die Gastronomie, ist die Tourismusindustrie, Luftfahrt, der stationäre Handel. Das sind so, glaube ich, die Sektoren, die wirklich stark zum Teil auch negativ betroffen waren und betroffen sind. Die Gewinner sind sicherlich Unternehmen, die im Gesundheitswesen tätig sind, Unternehmen in der Tech-Industrie, Software-Industrie, E-Commerce-Unternehmen ganz stark im Kommen. Alles auch, was so ein bisschen mit Mobilität zu tun hat, also E-Mobility. Ein Nischensektor, der überaus erfolgreich ist aktuell, ist die Fahrradindustrie, ob jetzt klassische Fahrräder oder E-Bikes. Was wir auch sehen, ist, dass der Bedarf an Technologie und Talenten extrem an Bedeutung gewonnen hat. Fusionen und Übernahmen, aber auch Verkäufe werden wahrscheinlich immer wichtiger, um sich fehlende Kompetenzen auch zuzukaufen. Unsere Beobachtungen aus der Zusammenarbeit mit Kunden und Geschäftspartnern zeigen auch, dass Investoren erhebliche Mittel für Investitionen bereithalten, vor allem in zukunftsträchtige Sektoren, wie ich schon gesagt hatte. Was wir aber auch sehen, ist, dass neue Sektoren hinzukommen, also neu im Sinne, nicht nur fokussiert auf Gesundheit, Technologie, E-Commerce, sondern beispielsweise Industrieunternehmen, die einen gewissen Technologie-Touch haben. Ich glaube, wir haben auch in den Nachrichten gehört, dass der Auftragseingang, Auftragsbestand im Maschinenbau wieder kräftig zugelegt hat. Das sind auch Frühindikationen, würde ich mal sagen, für ein erhöhtes Transaktionsvolumen in der nahen Zukunft. Ich würde schon sagen, und wie gesagt, die ersten paar Monate haben das auch schon bestätigt, dass die M&A Aktivitäten noch weiter zunehmen werden und dass wir da für uns als Beratungsunternehmen in eher positive Zeiten laufen. 
 
Valerie Haller: Viel zu tun, würde ich sagen, in Zukunft. 
 
Michael Wahl: Ja. 
 
Valerie Haller: Jetzt würde ich doch gerne noch mal auf eine Branche zu sprechen kommen, auf das Gastgewerbe. Denken Sie, das könnte so eine Branche sein, der es dann am Ende der Pandemie besser geht als zuvor oder die sich überraschend gut erholen könnte nach der Pandemie? 
 
Michael Wahl: Es wird Verlierer und es wird Gewinner geben. Wir haben kürzlich eine Studie herausgebracht, Untersuchungen angestellt über das Gastgewerbe. Wir kommen hier zum Ergebnis, dass sich gerade Gastronomieketten, Systemgastronomie durch hohe Flexibilität und gute Preisgestaltung auszeichnen, und die gutes Potenzial haben, als Gewinner aus der Krise hervor zu gehen. Weil diese Ketten auch während der Krise weiter expandiert haben und diese Pläne keineswegs gestoppt haben. Wir erwarten zwar eine Konsolidierung in der Branche, letztendlich Konsolidierung heißt für uns aber auch immer automatisch mehr Geschäft, aber es wird nicht die gesamte Branche zerstören. Also wir sehen hier insbesondere für diese Branche, für den Gastronomiebereich, eine Chance, etwas Neues aufzubauen. Aber wie gesagt, es wird auch immer Verlierer geben. 
 
Valerie Haller: Wenn wir über Deutschland sprechen, dann müssen wir natürlich auch über die Automobilindustrie reden. Wie ist denn da eigentlich Ihre Einschätzung? Nicht zuletzt VW scheint ja wirklich gewillt zu sein, Tesla die Stirn zu bieten. Denken Sie, das wird klappen für die Automobilindustrie, im Allgemeinen für die deutsche?  
 
Michael Wahl: Wir erwarten tatsächlich einen Wandel auf der Anbieterseite. Wir denken auch, dass BMW und Daimler hier stark VW nachziehen. Und aus unserer Sicht, aus unserer deutschen Sicht, auch hoffen, dass sie Tesla die Stirn bieten können. Spannend wird auch beim Automobilbereich kurz bleiben, wie sich die Vertriebsmodelle entwickeln werden. Überwiegend werden in Deutschland und ich glaube generell die Fahrzeuge über stationäre Händler vertrieben. Wenn Sie sich neue Konzepte anschauen, insbesondere oder vor allem im E-Auto-Bereich, dann werden auch Fahrzeuge über das Internet verkauft und Sie können konfigurieren, Sie vereinbaren online eine Testfahrt. Also da kann sich auch eine große Veränderung anbahnen, auch im deutschen Markt. 
 
Valerie Haller: Kann ich mir ja nur vorstellen, wenn ich ein Auto in der Art schon mal irgendwie gesehen habe. Also dann könnte ich mir vorstellen, so ein Auto im Internet zu bestellen. 
 
Michael Wahl: Es wird eine Kombination sein. Ich glaube, was wir sehen, ist, dass es sogenannte Showrooms gibt. 
 
Valerie Haller: Genau! 
 
Michael Wahl: Da werden Fahrzeuge ausgestellt, aber Sie können sie dort nicht kaufen. Also Sie schauen sie an, die Haptik und die Optik sind sehr wichtig, und alles andere wird über das Portal abgewickelt. 
 
Valerie Haller: Die deutsche Autoindustrie setzt in erheblichem Maße ja auch auf Zulieferer. Was bedeutet das für diese Betriebe? 
 
Michael Wahl: Ähnlich wie für die OEMs, die Automobilhersteller, sind die aktuellen Tendenzen mit enormen Veränderungen verbunden. E-Mobilität ist eines, aber auch autonomes Fahren. Und ich glaube, das Thema Software, Fahrzeug-Betriebssysteme sind riesige Aufgaben, die sich Unternehmen wie Bosch, Schaeffler, ZF und Continental stellen müssen und stellen und auch erheblich schon investiert haben, um ihren Kunden entsprechende Angebote machen zu können. Und was glaube ich die Pandemie gezeigt hat oder was eine Konsequenz war, dass diese Prozesse erheblich beschleunigt wurden. Ich glaube, das ist nicht nur im Automobilsektor, das ist auch in anderen Sektoren, dass es einfach Prozesse, Transformationsprozesse, die früher oder später sowieso gekommen wären, noch einmal beschleunigt haben. Ich glaube, insgesamt werden wir im Zuliefererbereich auch sehen, dass die IT-Kompetenz erheblich aufgebaut wird. Wir wissen und wir haben davon gehört, bei VW, dass die eine komplette IT-Organisation intern aufbauen. Das wird sicherlich bis runter zu den Zulieferern gehen. Und das wird auch wieder den Transaktionsmarkt stimulieren am Ende des Tages. Weil es ist immer auch eine Betrachtung, eine Berechnung, baue ich diese Kompetenz intern auf oder versuche ich mir diese Kompetenz am Ende des Tages einzukaufen. Was vielleicht ein bisschen Sorge macht, ist so, die kleinen und mittleren Betriebe, die in der Vergangenheit voll auf Verbrennung gesetzt haben, die vielleicht den Veränderungsprozess noch nicht eingeläutet haben, für einige wird das wahrscheinlich sehr, sehr schwer werden. Ich glaube, was es auch gezeigt hat, vor allem in der Automobilindustrie, ist das Thema Engpass, Lieferengpässe. Wir haben, glaube ich, alle die Nachrichten gehört, ich glaube, es war bei VW, dass spezielle Chips fehlen, die eben nur im Fahrzeugbereich eingesetzt werden. Das sind sicherlich auch Themen, worüber sich die Automobilindustrie Gedanken macht, inwiefern man sich auf Zulieferer verlässt oder auf neudeutsch gesagt das insourct und inhouse herstellt. 
 
Valerie Haller: Jetzt interessiert uns noch ein Sektor sehr, der Energiesektor, der wird ja vor allem von den erneuerbaren Energien bestimmt werden. Wie denken Sie, wie sieht da die nähere Zukunft aus? 
 
Michael Wahl: Ich denke, dass im Energiesektor, dass die Entwicklungen, die auch unabhängig und vor der Pandemie eingesetzt haben, dass die fortgesetzt werden. In welcher Art und Weise und mit welcher Geschwindigkeit, hängt wahrscheinlich auch ein bisschen von der Bundestagswahl ab, wie sich die Regierung zusammensetzen wird. Aber dass die Energiewende umgesetzt wird, ich glaube, daran zweifelt keiner mehr. Mit der Energieproduktion ist eine Sache, die Distribution ist eine andere Sache. Ich glaube, das ist ein total spannendes Thema. Wie verteile ich die erneuerbare Energie oder wie bringe ich die vom Herstellungsort zum Verbrauchsort? Das heißt Energienetze, Aufbau, Ausbau der Energienetze ist ein Riesenthema. Auch wenn wir über E-Mobilität sprechen, ist ein sehr, sehr großes Thema, wie kann ich flächendeckende Ladestationen sicherstellen. Was ich auch noch ein sehr spannendes Thema finde, und das ist so ein Mix, glaube ich, aus Energiesektor und Chemie, ist das ganze Thema Wasserstoff. Ich glaube, hier wird es sehr starke Entwicklungen geben, was sicherlich auch eine Möglichkeit ist des Energiesektors, etwas die Verluste aus den traditionellen Energiebereichen zu kompensieren. 
 
Valerie Haller: Wasserstoff, auch ganz großes Thema an der Börse. 
 
Michael Wahl: Ja. 
 
Valerie Haller: Nächster Sektor: Dienstleistungen. Wie sieht’s da aus? 
 
Michael Wahl: Bei den Dienstleistungen, auch hier, ich glaube, man sieht unterschiedliche Tendenzen, wenn man sich mal die Bankenwelt vielleicht rauspickt, ist vor allem der Retail Sektor bei den Banken extrem unter Druck. Ich glaube, wir haben alle die Meldung gesehen, dass die Deutsche Bank weitere 20 % der Filialen schließen will. Ich würde es mal ein bisschen flapsig formulieren, alternative Anbieter wie N26 sitzen denen tatsächlich im Retail Sektor, im Retail-Bereich, extrem im Nacken und bauen wirklich sehr viel Druck auf. Im Tourismusbereich, wenn man sich die Nachrichten von TUI anschaut, die sagen, natürlich, die Auswirkungen waren extrem für TUI, das sehen wir auch alle privat, die Reisetätigkeit nimmt sehr stark ab. Sie nutzen aber die Zeit, um auf moderne IT umzustellen, Digitalisierungsprojekte anzutreiben. Was letztendlich dabei helfen soll, die Kosten für das Geschäft in der Zukunft zu senken. Andere Dienstleistungssektoren wie beispielsweise die Logistik, die extrem profitiert haben, wir haben die Geschäftszahlen von der Deutschen Post, DHL gehört, ich glaube, auch Lieferservice haben wir alle in der Pandemie-Zeit in Anspruch genommen. Also es gibt auch hier Unternehmen im Dienstleistungsbereich, die profitieren auch, im Beratungsbereich ganz klar. 
 
Valerie Haller: Einer aus diesem Dienstleistungsbereich und Handel ist natürlich Amazon, ganz großer Gewinner der Pandemie. Vorher schon erfolgreich, aber in der Pandemie natürlich noch mal enorm zugelegt. Wird Amazon auf der Gewinnerseite bleiben nach der Pandemie oder können da andere aufholen? 
 
Michael Wahl: Amazon wird sicherlich auf der Gewinnerseite bleiben. Wenn wir über das Thema Amazon sprechen, da gibt’s ja auch ganz interessante Entwicklungen in einem eigenen Eco-System. Dass beispielsweise es spezialisierte Amazon-Händler gibt, und es gibt mittlerweile Investoren, die in diese Amazon-Händler investieren und diese konsolidieren. Amazon wird auch versuchen, weitere Teile der Wertschöpfungskette abzugreifen, beispielsweise die Lieferung wird mehr und mehr durch Amazon selbst übernommen. Oder man geht in den Bereich Lebensmittel-Vertrieb, was Amazon schon vor einiger Zeit angegangen ist und wovon die natürlich jetzt extrem auch in der Pandemie profitiert haben. Die Frage ist, wie sich das Ganze auf den stationären Handel am Ende auswirkt, der traditionelle Handel bei uns in den Innenstädten und Einkaufszentren. Ich glaube, dass auch von einigen Studien bestätigt wird, dass es zurück zum Ladengeschäft, wie wir es vor Corona-Zeiten kennen, wahrscheinlich nicht mehr geben wird. Eine Ausnahme sind wahrscheinlich Lebensmittel, Frischwaren. Also insofern wird Amazon diese Stellung behalten und es wird einen Wandel im stationären Handel geben, beziehungsweise er wird exponentiell beschleunigt werden. 
 
Valerie Haller: Und last but not least: Was bedeutet die Pandemie jetzt für Unternehmer wie Sie? 
 
Michael Wahl: Also erst mal eine Menge Arbeit. Es ist tatsächlich so, dass wir bei der Transaktions- und Transformationsberatung, auch hier sehen wir immer mehr, dass die Spezialisierung der Berater zunimmt. Seit unserem Start in Deutschland vor etwa drei Jahren haben wir Kunden mit insgesamt einiges über 100 Engagements Transaktionen im M&A, Steuer- und Transformations-Mandanten unterstützt. Ich glaube insgesamt, Unternehmen brauchen engagierte, pragmatische Unterstützung von jemandem, der versteht oder der auch versteht, was es bedeutet, selbst ein Unternehmer zu sein und ein Unternehmen zu führen. Und ich glaube, hatte ich zu Beginn gesagt, das ist das, was uns, glaube ich, ein bisschen absetzt. Das ist auch der Grund, warum ich den gerne mache und warum ich den nicht tauschen möchte. Weil letztendlich mit unserer Arbeit haben wir Einfluss auf die Geschicke von Unternehmen und damit auf die deutsche Wirtschaft auch insgesamt. Die wachsende Rolle der professionellen Berater ist auch eine Reaktion auf die immer komplexer werdenden Rahmenbedingungen. Und wir haben das Thema Compliance vorhin kurz angesprochen, das ist auch ein Thema, wo unsere Kunden einfach Beratung oder Guidance benötigen. Und last but not least: Private Equity Unternehmen, sicherlich, die benötigen auch weiterhin und zum Teil auch mehr Beratungsleistung. 
 
Valerie Haller: Und warum brauchen institutionelle Investoren mehr spezialisierte Unterstützung? 
 
Michael Wahl: Wenn man es vergleicht, mit, ich sag mal, traditionellen Investoren, also anderen Unternehmen, ist es so, im Fachjargon würde ich sagen, strategische Investoren, die in der Regel einen anderen Blickwinkel zu einer Investition. Strategische Investoren möchten ein Unternehmen erwerben, weil sie Interesse haben an einem bestimmten Produkt oder an ein Dienstleistungsportfolio, weil sie Synergien sehen aus dem Zusammenschluss oder weil sie sich durch die Akquisition oder durch eine Fusion eine Verbesserung der Marktposition erhoffen. Bei den Finanzinvestoren ist die Sachlage ein bisschen anders. Die Finanzinvestoren, die sehen jede Akquisition und jede Investition und Unternehmen für sich alleine. Letztendlich ist es Ziel, dass diese Investition innerhalb der Haltedauer eine bestimmte Rendite erwirtschaftet. Deswegen ist eine eher gesamtheitliche Betrachtung des Unternehmens wichtig. Also wohl Produkte oder Dienstleistungen, aber auch Themen wie Marktpositionierung. Ganz wichtig ist das Thema Management-Qualität. Und dieser ganzheitliche Ansatz, diese ganzheitliche Untersuchung, dafür benötigen Private Equity Investoren Beratungsunterstützung. Und letztendlich geht es darum, im Rahmen der Untersuchungen im Vorfeld einer Transaktion die Risiken kennen zu lernen, die Risiken zu kennen, wenn es geht, Risiken auszuschließen, aber mindestens die Risiken kontrollieren zu können. 
 
Valerie Haller: Sie haben die Finanzinvestoren schon angesprochen. Warum sind Berater bei Finanzinvestoren gefragter? 
 
Michael Wahl: Zum einen haben die nicht ihre Fachabteilung im Hintergrund. Finanzinvestoren sind in der Regel relativ kleine, überschaubare Teams, die sich für jede Transaktion im Prinzip die passenden Berater aussuchen. Und wie gesagt, die Untersuchungen sind so umfassend, gehen von Finanzwesen über Steuerrecht, Compliance, IT, Cyber-Security, Umweltrecht et cetera, was inhouse nicht schaffbar ist, und dafür holt man sich die Experten. 
 
Valerie Haller: Michael, Sie haben es schon gesagt und angedeutet, und Sie haben viel Arbeit und es kommt wahrscheinlich noch pandemiebedingt noch viel mehr Arbeit auf Sie zu. Das verspricht uns reichlich Themen für die nächsten Folgen. Danke für dieses Gespräch! Wir haben viel erfahren über den deutschen M&A Markt, die Philosophie von Eight Advisory, über Ihre Vita. Wir gehen optimistisch aus dem Gespräch, wir haben viel, viel Positives auch gehört trotz der Pandemie und der negativen Auswirkungen. Also ich darf jetzt den Optimismus mit nach Hause nehmen. Ja? 
 
Michael Wahl: Vielen Dank, Valerie! Würde ich absolut sagen. Es hat auch mir sehr viel Spaß gemacht. Und vielen Dank auch an die Zuhörer. Und ich denke schon, wir sollten optimistisch bleiben. Ein Unternehmen zu führen, zu unterstützen oder zu beaufsichtigen, nicht nur während der Pandemie, ist auch eine ständige Lektion für alle. Ob es jetzt die Aufsichtsbehörden sind, die Arbeitgeber, Arbeitnehmer. Wir sollten sicherlich uns immer wieder fragen, immer wieder herausfordern: Was können wir besser machen, wenn wir die Pandemie überstanden haben? Als Menschen, aber auch als Menschen in Organisationen, seien es Parteien, Unternehmen, Behörden oder NGOs. Ich denke, wir werden dringend Fortschritte brauchen, denn mit der Klimakrise erwartet uns bereits die nächste wirklich große Herausforderung, die auch unaufhaltsam ist. Aber auch hier wird das Chancen bieten und gleichzeitig wird es alte Traditionen abschaffen und Transformation vorantreiben. 
 
Valerie Haller: Ja, die Klimakrise wird dann vielleicht auch schon ein Thema unserer nächsten Folge sein. Auf jeden Fall bleibt es spannend. Und wir sehen auch, dass die Wirtschaft, die Unternehmensberatung und die Transaktionsberatung doch viele interessante Themen haben, die gar nicht so weit vom wirklichen Leben entfernt sind, wie viele vielleicht immer gerne denken. Ich jedenfalls habe viel gelernt. Danke, dass ich auch heute durch diesen Podcast führen durfte. Vielleicht sehen und hören wir uns beim nächsten Mal nicht nur, sondern sehen uns vielleicht auch mal an der Börse. 
 
Michael Wahl: Vielen Dank, Valerie, für das angenehme Gespräch! Ich freue mich auf jeden Fall auf ein Wiedersehen, sei es im ZDF oder wieder bei uns im Podcast-Studio. Und ich danke allen Hörern für ihr Interesse und dafür, dass sie es so lange mit uns ausgehalten haben. 

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