Die steuerliche Behandlung von Transaktionskosten

Keine Transaktion ohne Transaktionskosten! Sie sind gängiger Bestandteil jeder M&A Transaktion und fallen sowohl auf der Verkäufer- als auch der Käuferseite in unterschiedlichen Formen an. Darunter fallen unter anderem die Kosten für Beraterleistungen (M&A, Financial, Tax, Legal etc.), Finanzierungskosten, Notarkosten, Versicherungs- und Verkehrssteuern. Die ertrags- und umsatz-steuerliche Behandlung dieser Kosten nach dem Erwerb einer Zielgesellschaft über einen Share-Deal spielt eine wesentliche Rolle, insbesondere auf Käuferseite. Allerdings erfährt die steuerliche Behandlung durch die Investoren oftmals wenig Beachtung, was verwunderlich ist, denn das Finanzamt greift diese Kosten bei Betriebsprüfungen häufig auf, was erhebliche Anpassungen zur Folge hat.

Dieser Artikel soll einen kurzen Überblick zu diesem Thema liefern.

Transaktionskosten beim Veräußerer

Beim Verkauf von Anteilen an einer Kapitalgesellschaft durch eine andere Kapitalgesellschaft sind die mit der Transaktion zusammenhängenden direkten Veräußerungskosten (z.B. Notargebühren, Gerichtskosten) als Veräußerungskosten beim Veräußerungsgewinn zu berücksichtigen. Im Falle einer 100%-Beteiligung ist eine Veräußerung von Anteilen an Körperschaften effektiv zu 95% steuerfrei und der steuermindernde Effekt nur sehr gering, da die Kosten lediglich zu 5% abzugsfähig sind. Bei einem Steuersatz von 30% würde die Steuer auf den Veräußerungsgewinn somit nur zu 1.5% gemindert werden. Im Falle eines Veräußerungsverlusts bleiben die Veräußerungskosten sogar in voller Höhe steuerlich unberücksichtigt.

Hinsichtlich der Gemeinkosten geht der BFH (Urteil vom 16. Juni 2016 I 64/14) davon aus, dass diese als Veräußerungskosten zu qualifizieren sind, soweit sie bei der gebotenen wertenden Zuordnung eine größere Nähe zu einzelnen Veräußerungsvorgängen als zum allgemeinen Geschäftsbetrieb aufweisen. Dieses Urteil ist allerdings zu einem Fall ergangen, wo die Klägerin die Gründung und Veräußerung von Kapitalgesellschaften als Geschäftszweck hatte. Aus diesem Grund ist jeder entsprechende Einzelfall gesondert zu begutachten.

Transaktionskosten beim Erwerber (Ertragssteuer)

Beim Erwerber einer Zielgesellschaft ist die steuerliche Behandlung der Transaktionskosten wesentlich komplexer. Sie kann im Grunde in folgende Kategorien unterteilt werden:

1. Kosten, die in keinem direkten Zusammenhang mit dem Erwerb stehen;
2. Finanzierungskosten, die keinen Zinscharakter haben;
3. Finanzierungskosten, die als Rechnungsabgrenzungsposten abzugrenzen sind;
4. Kosten, die in direktem Zusammenhang mit dem Erwerb stehen.

Die Kosten aus 1. und 2. sind grundsätzlich als abzugsfähige Betriebsausgaben zu behandeln, ebenso die Kosten aus 3. unter Beachtung der jeweiligen Laufzeit des Rechnungsabgrenzungspostens.
Den Hauptfokuspunkt bildet somit die Untersuchung der Kosten aus 4., denn hier sind, neben der obigen Diskussion zu Einzel- und Gemeinkosten, nur die Kosten abzugsfähig, die vor der „grundsätzlichen Erwerbsentscheidung“ angefallen sind. Diese Praxis wurde durch verschiedene BFH-Urteile (BFH Urteil von 20. April 2004, VIII R 4/02, BFH-Urteil vom 27. März 2007, VIII R 62/05; BFH-Urteil vom 28. Oktober 2009, VIII R 22/02) und ein FG-Urteil (FG Köln vom 6. Oktober 2010, 13 K 4188/07) geprägt, nach denen die Erwerbsentscheidung bereits zu einem sehr frühen Zeitpunkt unterstellt wird (z.B. Vertraulichkeitsvereinbarung, Letter of Intent, Beauftragung der Due Diligence). Da sich die BFH Urteile nicht auf bilanzierende Steuerpflichtige, sondern natürliche Personen mit Einkünften aus Kapitalvermögen beziehen, betrachten Berater einen späteren Zeitpunkt häufig als vertretbar (z.B. Investment-Komitee).

Die folgende Tabelle gibt einen allgemeinen Überblick über die steuerliche Behandlung häufig anfallender Transaktionskosten und laufender Geschäftsvorfälle unter Berücksichtigung der obigen Urteile. Die Tabelle dient als Orientierung. Je nach Sachverhalt verlangen bestimmte Einzelfälle nach einer anderen Vorgehensweise.

Transaktionskosten beim Erwerber (Umsatzsteuer)

Da Transaktionskosten generell auch der Umsatzsteuer unterliegen können, sollte die Akquisitionsgesellschaft zum Vorsteuerabzug berechtigt sein. Die Umsatzsteuer stellt hier einen weiteren erheblichen Kostenblock dar.
Eine Holding-Gesellschaft ist nach UStG zum Vorsteuerabzug berechtigt, wenn

a) sie im Zeitpunkt des jeweiligen Leistungsbezugs umsatzsteuerliche Unternehmerin ist,
b) die jeweilige Leistung für ihr Unternehmen ausgeführt wurde,
c) sie Empfängerin der jeweiligen Leistung ist und
d) sie keine den Vorsteuerabzug ausschließende Ausgangsumsätze tätigt bzw. beabsichtigt, die Eingangsleistungen für Ausgangsumsätze zu verwenden, die den Vorsteuerabzug nicht ausschließen.

Die Akquisitionsgesellschaft sollte zum vollen Vorsteuerabzug berechtigt sein, wenn sie möglichst zeitnah nach Erwerb Eingriffsleistungen an sämtliche Beteiligungsgesellschaften erbringt. Dies gegen ein angemessenes Entgelt und unter Verzicht steuerfreier Umsätze, die den Vorsteuerabzug ausschließen würden.

Unsere Berater Jan Ole Burchert und Manuel Wall (manuel.wall@8advisory.com) stehen Ihnen als Ansprechpartner für weitere Informationen gerne zur Verfügung. Sie bieten Interessierten darüber hinaus einen kostenlosen Workshop an und freuen sich auf eine Rückmeldung.

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